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5 Sachen, die man im Ulpan lernt und, die kein Israeli mehr benutzt

Hebräisch ist eine dynamische Sprache, genau wie andere Sprachen – die Sprache ändert sich, neue Wörter tauchen auf und alte Wörter verschwinden. Verschiedene Gewohnheiten haben sich geändert und werden anders gemacht, entweder vereinfacht oder völlig geändert, weil sie zu der heutigen Sprache nicht mehr passen.

Ulpan-Bücher sind aber anders. Sie versuchen immer die richtigste Sprache beizubringen, auch wenn man die nicht mehr so verwendetund das versuche ich doch anders zu machen.

Man sollte nicht mehr wie Goethe sprechen in einer Welt, in der keiner mehr so spricht, oder? Die Sprache entwickelt sich und ändert sich – und genauso das sollten wir auch.

Jede Woche treffe ich mich mit einer guten Freundin von mir, meinerdeutschen Oma, die mir mit Deutsch hilft und ich helfe ihr mit Hebräisch. Was ich aber sehr interessant daran finde, ist, dass sie irgendwie eine SprachZeitzeugin für mich ist. Als ich angefangen habe, Deutsch zu lernen, hat sie mir die Redewendung Hast du einen Vogel?!“ beigebracht und fügte hinzu, dass jeder Mensch das benutzt. Als ich aber in Deutschland war und diese Redewendung benutzt habe, haben mich meine Freunde ausgelacht (na ja, nicht so…) und haben mir erklärt, dass man es nicht mehr so oft sagt.

Das zeigt nur, wie die Sprache sich verändert hat.

Was cool war, ist jetzt veraltet. Was jeder gesagt hat, sagt keiner mehr.

Also was lernt man im Ulpan, das kein Israeli mehr sagt? Und warum lernt man im Ulpan eine Schreibweise, die man schon immer anders geschrieben hat?

 

1. Keiner sagt mehr שמי

Schon am ersten Tag im Ulpan lernt man etwas, das man nicht mehr sagt. Wirklich niemand.

Man lernt die anderen Schüler kennen und lernt als erstes – שלום! שמי… (Shalom! Schmi….) – Hallo, ich heiße…

Es tut mir sehr leid, das zu sagen, aber was man schon am ersten Tag im Ulpan lernt, sagt keiner mehr im normalen Leben. Man sagt heutzutage eine von den zwei Varianten:

  • שלום, קוראים לי… (Schalom, kor’im li…)

  • שלום, אני… (Schalom, ani…)

Wisst ihr, was passieren wird, wenn ihr שמי zu jemanden in Israel sagt? man wird sofort erkennen, dass ihr im Ulpan wart und das wollen wir nichtwir wollen doch integriert werden! 😉

 

2. Der מֵאֵיפֹה ist dem מֵאַיִן sein Tod

Manche Wörter, die man im Ulpan lernt, sind in der Vergangenheit oft benutzt worden, aber sind heutzutage nicht mehr aktuell. Ähnlich wie Fräulein und Frau, haben wir im Hebräischen zwei Wörter für „woher. Ein Wort davon, מאין (Me’ajin), hat das gleiche Schicksal wie Fräulein und wird nicht mehr benutzt. Das Wort מאיפה (Me’eifo) hat den Platz genommen und wird am häufigsten als „woher“ verwendet.

Das heißt aber nicht, dass die verschiedene Ulpanim das veraltete Wort מאין den Schülern nicht mehr beibringen, sondern andersrum – man lernt das Wort im Ulpan leider immer noch, als wäre es das einzige Wort dafür und, als ob man מאין immer noch sagt.

Ab heute sagt bitteמאיפה?“ (Me‚eifo) – solange ihr nicht fragen wollt, wo man diesen schicken Vierzigerjahre-Anzug her hat, weil ihr den auch haben wollt.

 

3. „אני עושה חיים“ (Ani osé chajim) ist nicht mehr IN

Alle Ulpanbücher erwähnen das Verb לעשות חיים (La’asot Chajim) als Spaß haben und, obwohl es eigentlich wahr ist, verwendet man dieses Verb sehr selten und es ist nicht mehr IN, wie die verschiedenen Bücher das bezeichnen.

In Dialogen steht ganz oft „Und? Wie ist es dort?“ und als Antwort steht אני עושה חיים“ (Ani osé chajim). Obwohl man das natürlich verstehen wird, klingt es komisch und altmodisch. Man würde heute eher אני נהנה von dem Verb להנות (Lehanot) sagen.

Die Konjugation ist:

נהנה נהנית נהנים נהנות

Nehene – nehenet – nehenim – nehenot

Wenn man das Verb לעשות חיים trotzdem verwenden möchte, sollte man heutzutage es nur als Ausruf benutzen: „תעשו חיים!“ (Ta’asu Chajim) – „Viel Spaß euch!„. Das ist noch akzeptabel 🙂

 

4. מן ist zu lang für uns Israelis

Wir sind ein schnelles Volk. Alles dauert zu lang, die Schlange, auch wenn es nur einen Menschen vor uns gibt, ist viel zu lang und auch Wörter, die mehr als 3 Silben haben, sind uns zu lang. Dafür haben wir Abkürzungen – eine Art Shortcut – manchmal aber auch für Wörter, die grundsätzlich sehr kurz sind (und ja, grund-sätz-lich ist auch zu lang..).

Wir machen aus allem eine Abkürzung – גרם (Gramm) wird zu גר‚ (gr.), כאשר (wenn) wird zu כש(Ksche..) und… מן wird zu מ

Im Ulpan lernt man das Wort מן (min) aus oder von. Das Wort hat auch eine Abkürzung (Ja, 2 Buchstaben sind uns zu lang) מ(mi oder mé, hängt vom nachfolgenden Konsonanten ab), das heutzutage viel häufiger verwendet wird. Wir verwenden מ als Präfix (das heißt, dass es vor dem Wort kommt, aber zusammengeschrieben wird).

So:

מישראל aus Israel (Mi-Israel)

מהבית aus dem Haus (Me’ha-bajit)

ממני – von mir (Mimeni)

 

Wer sagt noch מן denn?

Ältere Menschen, Menschen, die im Ulpan gelernt haben und Studenten, denen in ihrer Abschlussarbeit noch 50 Schriftzeichen fehlen und alle מ… zu מן ändern.

Warum lernt man denn מן immer noch? Weil es formeller ist, aber leider schon altmodisch und veraltet ist. Ivrit min Ha-hatchala? (עברית מן ההתחלה) – besser: Ivrit me’ha-hatchala! (עברית מההתחלה).

 

5. Mem Sofit steht nicht auf der Linie und geht nicht unter die Linie

Der Buchstabe Mem Sofit (ם, Mem, das am Ende des Wortes vorkommt) in Schreibschrift, wird in Ulpanbüchern immer geschrieben, als ob es auf der Linie steht und, dass der Strich unter die Linie geht.

Wie gesagt – Ich meine nur die Schreibschriftversion, da der Buchstabe in Druckschrift wirklich auf der Linie steht.

Wie sieht es denn aus?

Wenn ich mein Mem Sofit schreibe, mache ich den Kreis ein bisschen kleiner und enger. Ungefähr so:

So sieht es besser aus, oder? 🙂

 

Wenn ich dein Interesse geweckt habe, und du Hebräisch lernen möchtest, melde dich gerne über das Kontaktformular bei mir!